Zum Hauptinhalt
Die vier dermanostics-Gründer

Der Hautarzt per App

Haben dermanostic ins Leben gerufen: Dr. Ole Martin, Dr. Alice Martin, Dr. med. Estefanía Lang und Patrick Lang. Foto: © Patrycia Lukas
Portratitfoto des Artikel-Autors Robert Targan
Von ROBERT TARGAN (Freier Texter, Autor & Redakteur)
5 Min.Lesezeit

Ob plötzlich aufgetreten oder chronisch entstanden: Hautveränderungen lassen Betroffene aufmerken und verlangen nach einer Klärung. Bis jedoch der Termin beim Dermatologen ansteht, kann wertvolle Zeit verstreichen. Das Düsseldorfer Start-up-Unternehmen dermanostic steuert diesem Umstand mit einer innovativen App entgegen: Muttermale, Ausschläge und weitere Erscheinungen können mit dem Smartphone abfotografiert und einem Team aus Hautfachärzten per Upload zugesendet werden. Diagnose und Therapieempfehlungen erfolgen innerhalb von 24 Stunden.

Wer Veränderungen auf der Haut, im Bereich der Haare oder an den Nägeln feststellt, sieht sich nicht selten einem gewissen Leidensdruck ausgesetzt: Mal ist es ein wiederkehrender Juckreiz, mal stört die entsprechende Stelle optisch. Und über all dem steht die Frage, ob es sich bei der Entdeckung um eine bedenkliche Hautveränderung handelt. In diesem Fall verschafft ein Besuch beim Hautarzt Klarheit; die Wartezeiten für einen Termin liegen hierzulande allerdings bei durchschnittlich fünf Wochen. Zu lang, dachte sich das Gründerteam von dermanostic, bestehend aus Dr. Alice Martin, Dr. Estefania Lang, Dr. Ole Martin und Patrick Lang. Die Idee: Mit einer speziellen App lässt sich ein Hautarzt zeit- und ortsunabhängig kontaktieren – eine Behandlung inklusive Therapieplan und Rezept erfolgt in durchschnittlich vier Stunden. Hierzu sendet der Patient drei Fotos der veränderten Hautstelle ein und füllt zusätzlich einen Fragebogen aus. Dabei kann er sich auf das Urteil geschulter Hautfachärzte und anerkannter Experten verlassen, auch steht ein medizinisches Support-Team für Rückfragen bereit.

Der ursprüngliche Impuls für diese Hautarztbehandlung per App hat einen schlüssigen Hintergrund, wie Laura Siebertz, Public Relations & Kommunikation bei dermanostic, umschreibt: „Den beiden Hautärztinnen des Gründerteams wurden aus dem Freundeskreis immer wieder Fotos von Hautproblemen per Messenger zugeschickt, verbunden mit der Frage, worum es sich dabei handele und ob man sich Sorgen machen müsse. Daraus entstand eines Tages die Idee, diese digitale Konsultation professionell und vor allem datengeschützt aufzubauen.” Und tatsächlich: Nach der Vorstellung der Innovation bei einem Ideenwettbewerb der Universität Düsseldorf erhielten die Initiatorinnen und Initiatoren den Publikumspreis – ausreichend Motivation, um im Oktober 2019 mit dermanostic an den Start zu gehen.

Diagnose nach maximal 24 Stunden

Mit der App richtet sich das Start-up an ganz unterschiedliche Personenkreise: So eignet sich die Behandlung für immobile Menschen, aber auch für Patienten in ländlichen oder strukturschwachen Regionen. Laura Siebertz: „Letztlich zählt jeder Mensch mit Klärungsbedarf bei einer Hautveränderung zur Zielgruppe, aber natürlich spielt der demografische Wandel hier eine ganz besondere Rolle. Auch findet die Anwendung der dermanostic-App in Seniorenresidenzen bereits Anklang.” Vom Download der Anwendung bis zur ärztlichen Diagnose gestaltet sich der Ablauf entsprechend benutzerfreundlich: dermanostic ist im App Store (iOS) und bei Google Play (Android) erhältlich; alternativ zum Smartphone und Tablet lässt sich die Behandlung auch direkt über den Browser starten. Im nächsten Schritt erfolgt die Registrierung mit einer E-Mail, um anschließend ein Konto zu erstellen. Sämtliche übermittelte Daten werden dabei vertraulich nach DSGVO-Standard behandelt. Im Falle einer Hautveränderung fertigt der Nutzer die notwendigen Fotos von der betroffenen Stelle an und lädt diese hoch. Der Anbieter versichert: Niemand außer der medizinischen Abteilung von dermanostic hat Zugang zu diesen Aufnahmen. Um eine bestmögliche Behandlung garantieren zu können, gilt es dann im Anschluss den erwähnten Fragebogen auszufüllen. „Die drei Fotos müssen aus verschiedenen Abständen und Perspektiven angefertigt werden”, so Laura Siebertz, „die Fragen ähneln denen eines Anamnesebogens und klären den privaten, beruflichen und gesundheitlichen Hintergrund ab. Maximal 24 Stunden später übermittelt ein Facharzt die Diagnose samt digitalem Arztbrief sowie einer Therapieempfehlung. Bei Bedarf stellen die Hautärzte von dermanostic zudem ein Privatrezept aus – dieses erreicht den Patienten entweder auf dem postalischen Weg oder wird per Fax an eine Wunschapotheke geschickt. Auch eine digitale Versandapotheke ist an die Hautarztpraxis per App angebunden. Die Behandlungskosten von 25 Euro lassen sich per PayPal, Kreditkarte, Lastschriftverfahren via PayPal und Apple Pay bezahlen; Privatversicherte reichen die Rechnung wie gewohnt zur Kostenerstattung ein.

 


Sensible Daten sicher übermittelt: Die an dermanostic übermittelten Fotos werden ausschließlich auf deutschen Servern in Frankfurt am Main datenschutzkonform verarbeitet und gesichert. Persönliche Daten wie der Name, das Geburtsdatum und die Adresse werden an den begutachtenden Hautfacharzt übermittelt und separat verschlüsselt gespeichert. Aktuell werden ausgestellte Rezepte händisch vom Arzt ausgefüllt – wenn das e-Rezept an den Start geht, soll sich dies ändern.


 

Qualifiziertes Ärzte- und Expertenteam

Mittlerweile blickt das Team von dermanostic auf über 50.000 erfolgreich behandelte Patienten zurück – in 99 % der Fälle kann eine Diagnose gestellt und somit eine Behandlung ermöglicht werden. Vorbehalte oder Bedenken, auf „der anderen Seite” sitze vielleicht kein „echter Arzt”, weiß das Unternehmen zu entkräften: Das große medizinische Team hinter dermanostic besteht aus Dermatologen, Krankenschwestern und Medizinstudenten. Laura Siebertz ergänzt: „Für die Diagnosen sind 12 erfahrene, in Deutschland approbierte Hautfachärzte tätig. Diese werden regelmäßig hinsichtlich ihrer Qualifizierung geprüft und in Sachen digitaler Kompetenz geschult.” Wöchentliche Fallkonferenzen garantieren zudem die hohe Qualität der gestellten Diagnosen. Erfreulich: Rund 92 % der dermanostic-Nutzer benötigen nach der Behandlung keinen weiteren Termin beim niedergelassen Hautarzt.

Doch natürlich sind da auch die anderen Fälle: Liegt etwa ein Hautkrebs-Verdacht vor, werden die betroffenen Personen mit dieser Diagnose nicht allein gelassen. Das dermanostic-Team hilft dann dabei, umgehend einen Hautarzttermin in der Nähe zu erhalten, „schließlich ist hier die Bestätigung durch eine Gewebeentnahme notwendig”, unterstreicht Laura Siebertz. „Diese Unterstützung findet dann selbstverständlich auch nicht mehr digital, sondern in einem persönlichen Telefonat statt.” Das Team von dermanostic betont: Auch wenn sich viele Hauterkrankungen durch einmalige Blickdiagnosen erkennen lassen, ist es wichtig, jederzeit darauf zu achten, ob auch andere Hautstellen betroffen sind. Nur so kann eine richtige Diagnose gewährleistet werden. Die App stellt somit eine Ergänzungsleistung dar – es besteht nicht der Anspruch, den Praxisbesuch in Gänze zu ersetzen.

Fernbetreuung liegt im Trend

Im Zuge der Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen hat die Zahl der Videosprechstunden und telefonischen ärztlichen Beratungen stark zugenommen – ein Trend, der weiterhin anhält. Zu dieser Fernbetreuung von Patienten zählt auch der wachsende Markt digitaler Gesundheitsanwendungen; der Startschuss für dermanostic erfolgte demnach exakt zur richtigen Zeit. „Tatsächlich existieren Studien, die belegen, dass im dermatologischen Bereich seit Ausbruch der Pandemie die wenigsten Vorsorgeuntersuchungen eingehalten wurden und werden”, weiß Laura Siebertz und begründet dies mit den im wahrsten Sinne des Wortes hautnahen Untersuchungen. Hier könne die App eine große Hilfe sein, etwa bei der schnellen Abklärung eines Muttermals oder eines Ausschlags.

Mittlerweile haben auch viele stationäre Apotheken das Potential von dermanostic erkannt, sodass erste Kooperationen geschlossen wurden. Laura Siebertz: „Diese möchten schließlich einen bestmöglichen Service bieten. Kunden, die beispielsweise mit einem Ausschlag ihre Apotheke aufsuchen, können sich vor Ort über dermanostic beraten lassen und sich anschließend auch ihr Rezept in die entsprechende Filiale schicken lassen.”

dermanostic.com

Portrait Natalie Stüben
Leben ohne Alkohol

Die Freiheit zurück gewinnen

In ihrem Buch „Ohne Alkohol: Die beste Entscheidung meines Lebens” erzählt die Journalistin Nathalie Stüben ihre Geschichte: Vom Versuch, zu ignorieren, dass der Alkohol ihr Leben bestimmte.

Mehr erfahren
Gewinnspiel AirPods
PVS einblick Gewinnspiel 2/22

Gewinnen Sie die neuen Apple AirPods

Gewinnen Sie die neuen Apple AirPods (3. Generation)

Mehr erfahren
Ausgabe: 02/2022

Titelthema – Mit Haut und Haaren