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Junger, sympathisch lächelnder Pfleger im blauen Kasak hält stützend die Hand einer fröhlichen Seniorin

Arbeiten in der Pflege: Wertschätzung als wichtigstes Gut

Foto: © Kzenon - stock.adobe.com
Portratitfoto des Artikel-Autors Robert Targan
Von ROBERT TARGAN (Freier Texter, Autor & Redakteur)
3 Min.Lesezeit

Das Problem ist keinesfalls neu, erhielt im Zuge der Corona-Pandemie jedoch eine noch größere Dringlichkeit: Pflegekräfte klagen über zu wenig Personal und eine stetig wachsende Belastung – bei nur geringer Anerkennung ihrer systemrelevanten Arbeit. Immer mehr Beschäftigte erwägen einen Berufsausstieg oder haben diesen gar bereits vollzogen. Wie ist dieser Entwicklung entgegenzutreten?

Die Bilder applaudierender Menschen auf ihren Balkonen, sie sind unmittelbar mit dem Beginn der Pandemie vor nun über einem Jahr verbunden. Doch der Beifall, der als Anerkennung für den Einsatz der Pflegekräfte galt, ist nicht nur verstummt – er reicht auch schlichtweg nicht aus, um an der kritischen Pflegesituation etwas zu ändern. Mehr zu versorgende Patienten bei zusehends weniger Zeit, das birgt ein hohes Frustrationspotenzial. Wechselnde Arbeitszeiten sowie Wochen- und Feiertagsdienste erschweren darüber hinaus eine Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf. Für viele Kräfte stellt sich da die Frage, ob sie ihre berufliche Zukunft weiterhin in der Pflege sehen. Eine besorgniserregende Entwicklung, die der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) mit Zahlen unterstreicht: Allein zwischen Anfang April und Ende Juli 2020 seien laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit die Beschäftigungszahlen in den Pflegeberufen um rund 9.000 Beschäftigte zurückgegangen. Hierzu DbfK-Präsidentin Christel Bienstein: „Die beruflich Pflegenden fühlen sich seit Beginn der Pandemie oft alleingelassen, in ihrer Professionalität missachtet und in ihrer physischen und psychischen Integrität gefährdet. Dass dies für sehr viele Kolleginnen und Kollegen der Grund sein wird, den Beruf zu verlassen, davor warnen wir seit Beginn der Pandemie.“ Zwar mache die Statistik nicht deutlich, aus welchen Gründen der jeweilige Berufsausstieg stattfand, doch korrespondieren die Daten mit einer Umfrage des DBfK aus Dezember 2020: „Rund 30 Prozent der Pflegefachpersonen gaben an, dass sie regelmäßig über einen Berufsausstieg nachdenken“, so Bienstein.

Verbesserungen im Pflegealltag per Gesetz?

Die Corona-Pandemie hat offengelegt, was in der Pflege Beschäftigte bereits zuvor angemahnt haben: Das System gelangt an seine Grenzen. Mindestens 40.000 Stellen sind hierzulande unbesetzt; in den nächsten zehn bis zwölf Jahren erreichen zudem rund 500.000 Pflegefachpersonen das Rentenalter. Mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG, auch: Gesetz zur Stärkung des Pflegepersonals) traten zum 1. Januar 2019 in Deutschland Maßnahmen in Kraft, um spürbare Verbesserungen im Alltag der Pflegekräfte auf den Weg zu bringen – unter anderem durch bessere Arbeitsbedingungen. Die Ermittlung eines Pflegepersonalquotienten für jedes zugelassene Krankenhaus sollte zudem eine nicht zu unterschreitende Grenze zur Verbesserung der Personalausstattung bewirken. Der Quotient beschreibt das Verhältnis der Anzahl der Vollzeitkräfte in der unmittelbaren Patientenversorgung auf bettenführenden Stationen zu dem Pflegeaufwand eines Krankenhauses. Auch Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung für Pflegekräfte sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf beinhaltet das Gesetz.

Bleibt die Frage, ob sich die bedenkliche Situation in der Pflege per Gesetz und Personalschlüssel lösen lässt – zumal längst kritische Stimmen darauf verweisen, dass die Personalrichtwerte nicht dem tatsächlichen Versorgungsbedarf der Patienten entsprächen. Vielmehr benötige es neue, moderne Strukturen in der Versorgung, ansprechendere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie eine angemessene Entlohnung. Diese und weitere Maßnahmen lassen sich unter dem Sammelbegriff der „Wertschätzung“ vereinen, ein wichtiges Gut, das für Pflegefachkräfte idealerweise Tag für Tag einen Antrieb darstellt. Auch der Ruf nach mehr Gestaltungsraum und Mitspracherecht der Angestellten wird lauter. Viele qualifizierte Kräfte wünschen sich, ihr erworbenes Fachwissen im Zuge eigenverantwortlicher Aufgaben noch mehr einbringen zu können. Ein nicht zu unterschätzender Motivationsfaktor, der dazu beitragen könnte, dass Pflegende weiterhin in ihrem systemrelevanten Beruf arbeiten möchten und sich ihre ursprünglichen Beweggründe vergegenwärtigen: einer verantwortungsvollen, anspruchsvollen und vor allem sinnstiftenden Tätigkeit nachzugehen.

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