Wiederkehrende Ängste und unerwartete Panikattacken schränken Betroffene stark in ihrem Alltag ein: Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder Zittern zählen zu den typischen Symptomen. Doch auch Auswirkungen auf der psychischen Ebene – Angst vor Kontrollverlust, Entfremdungsgefühle oder gar Todesängste – können bei einer entsprechenden Einschränkung auftreten. Wie solch negative Gefühle entstehen, was es bedeutet, unter einer Angststörung zu leiden und welche Strategien gegen Furcht und Panik helfen: Unsere Buchtipps liefern Antworten.
Ängste verstehen und überwinden
In ihrem Buch „Ängste verstehen und überwinden“ beleuchtet Dr. Doris Wolf die vielen Gesichter der Angst und bietet dabei Hilfe zur Selbsthilfe: Im Ratgeber geht die psychologische Psychotherapeutin den Fragen nach, weshalb Angst entsteht und wie dagegen anzukommen ist. Gleichzeitig definiert sie verschiedene Erscheinungsformen wie Panik- und Angststörungen oder soziale Phobien. Fallbeispiele und Erfahrungsberichte runden den informativen Teil ab und sollen zur Motivation der Leserschaft beitragen. Aufgrund ihrer langjährigen beruflichen Erfahrung weiß Dr. Doris Wolf, dass Angstzustände Betroffene in ihrem Alltag stark einschränken können: „Unsere Angstgefühle erzeugen wir uns selbst“, so die Autorin. „Jeder Mensch besitzt die Fähigkeit, seine Ängste abzubauen. Schritt für Schritt möchte ich dem Leser dabei helfen, seine Ängste zu verstehen und langsam zu überwinden.“ Ein dazugehöriges Arbeitsbuch ergänzt Wolfs Ratgeberklassiker und hält hilfreiche Infografiken, Selbsttests und Übungen bereit.
Dr. Doris Wolf: Ängste verstehen und überwinden. So lernst du, dich von Angst, Panik und Phobien zu befreien, Pal, 252 Seiten, 18,00 €
Leben ohne Angst
Prof. Dr. med. Dietrich Grönemeyer ist nicht nur einer der bekanntesten Ärzte des Landes – als Bestsellerautor hat er auch zahlreiche Ratgeber verfasst, die bereits in rund 20 Sprachen übersetzt wurden. In seinem Werk „Leben ohne Angst. Wie wir in schwierigen Zeiten innere Stärke und Zuversicht finden“ zeigt der emeritierte Lehrstuhlinhaber für Radiologie und Mikrotherapie Strategien auf, um Ängste besser verstehen und bekämpfen zu können. „Angst und Bammel, Grausen und Furcht schwächen uns Menschen durch und durch: Angst essen Seele auf“, schreibt Grönemeyer. „Dann folgen die körperlichen Symptome: Das Immunsystem macht schlapp, der Rücken, das Herz, der Magen ebenso. Seit mehr als 30 Jahren erlebe ich in meiner medizinischen Praxis tagtäglich Menschen in Stress und Angst.“ Mit einem Mix aus persönlichen Erfahrungen und einer einfühlsamen Herangehensweise schildert der Experte, was Angst und Panik im Körper auslösen können. Gleichzeitig erklärt Dietrich Grönemeyer, wie es gelingt, trotz aller Widrigkeiten Zuversicht zu verbreiten: „Das ist mein tägliches Anti-Angst-Mittel.“
Dietrich Grönemeyer: Leben ohne Angst. Wie wir in schwierigen Zeiten innere Stärke und Zuversicht finden, Ludwig Buchverlag, 272 Seiten, 22,00 €
Grundformen der Angst
„Angst gehört unvermeidlich zu unserem Leben. In immer neuen Abwandlungen begleitet sie uns von der Geburt bis zum Tode.“ Mit diesen Worten eröffnete Fritz Riemann (1902–1979) einst seinen Klassiker „Grundformen der Angst“, der in seiner mittlerweile 47. Auflage nichts an Aktualität verloren hat. In vier Hauptkapiteln beleuchtet der Psychoanalytiker die Angst vor der Hingabe, vor der Selbstwerdung, vor der Veränderung und vor der Notwendigkeit. Das Werk soll dem Lesenden mehr Selbst- und Fremdverständnis vermitteln und vor allem die Anfangsjahre als Ursprung menschlicher Entwicklung verdeutlichen. Anhand verschiedener Persönlichkeitsbilder – etwa der schizoide Mensch und die Liebe, der depressive Mensch und die Aggression oder der lebensgeschichtliche Hintergrund zwanghafter Menschen – erklärt der Autor „die großen Zusammenhänge, denen wir eingefügt sind.” Als Mitbegründer des Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie in München arbeitete Fritz Riemann als Dozent und Lehranalytiker; für seine Verdienste um die Psychoanalyse erhielt er die Ehrenmitgliedschaft der „American Academy of Psychoanalysis“ in New York.
Fritz Riemann: Grundformen der Angst, Ernst Reinhardt Verlag, 244 Seiten, 19,90 €
Liebe Angst, halt doch mal die Klappe!
„Nach der ersten sehr heftigen Panikattacke war mein Leben nicht mehr dasselbe. Bei jeder klitzekleinen Veränderung in meinem Körper vermutete ich sofort wieder einen Angstanfall.“ Mit diesen Worten leitet Klara Hanstein ihren Ratgeber „Liebe Angst, halt doch mal die Klappe!“ ein. Denn die Klinische Psychologin und Psychotherapeutin litt selbst jahrelang an einer Angststörung, grübelte viel und war dauerhaft angespannt. Mit ihren „24 Tools, um Angst und Panik zu überwinden“ möchte sie Betroffenen zeigen, wie sie diese Lebensphase gemeistert hat: Das Buch ist in drei Hauptbereiche gegliedert und thematisiert darin jeweils die Ebene des Körpers, der Gefühle und der Gedanken. In weiteren Unterkapiteln führt Klara Hanstein Tipps zur Entspannung auf, erläutert Beruhigungsstrategien bei einer Panikattacke und fordert ihre Leserschaft dazu auf, Angstgedanken auf den Prüfstand zu stellen. Tipp: Unter @klarahanstein.fuerkopfundherz gibt die Autorin ihr Expertinnenwissen zusätzlich bei Instagram weiter – als ehemalige Betroffene weiß Hanstein schließlich am besten, was bei Angst und Panik helfen kann.
Klara Hanstein: Liebe Angst, halt doch mal die Klappe! 24 Tools, um Angst und Panik zu überwinden, GU Verlag, 192 Seiten, 19,99 €
Ich bin mal eben wieder tot
Mit seiner Band Jupiter Jones (2002–2018; ab 2021) erhielt Nicholas Müller unter anderem einen Echo sowie Gold- und Platinschallplatten (Top-Ten-Hit „Still“). Was seine Fans lange nicht wussten: Der Sänger litt bis Mitte der 2010er-Jahre an einer Angststörung, die er erst im Zuge einer Therapie ablegen konnte. In seinem autobiographisch gefärbten Buch „Ich bin mal eben wieder tot. Wie ich lernte, mit Angst zu leben“ hat Nicholas Müller seine Geschichte aufgeschrieben: „Der Herzschlag beschleunigt sich, der Blutdruck steigt, der Atem wird schneller, kalter Schweiß bricht aus. Ein Herzinfarkt? Ein Schlaganfall? Ein Tumor?“ Symptome und Sorgen wie diese führen immer wieder dazu, dass Müller den Notruf wählt und starken Panikattacken ausgesetzt ist. Zehn Jahre lebt der Musiker mit Hypochondrie und depressiven Episoden, bis er die Diagnose generalisierte Angststörung erhält. In „Ich bin mal eben wieder tot“ berichtet Nicholas Müller eindrucksvoll und sprachgewandt von seinem Bühnenrückzug und dem langen Weg zurück in ein Leben ohne Angst. Nach Neugründung der Band sind Jupiter Jones im Herbst 2026 wieder auf Tournee.
Nicholas Müller: Ich bin mal eben wieder tot. Wie ich lernte, mit Angst zu leben, Knaur, 272 Seiten, 12,99 €
Die Kraft der Angst
Die promovierte klinische Psychologin Dr. Alexandra Shaker behandelt Patienten mit ganz unterschiedlichen psychischen Leiden – von der Schizophrenie über Depressionen bis hin zu traumatischen Erlebnissen. Als Expertin auf dem Gebiet der Angststörungen hat sie mit „Die Kraft der Angst“ nun einen Ratgeber vorgelegt, der vor allem die körperlichen Symptome des Krankheitsbildes fokussiert: Was bedeutet es, wenn das Herz rast oder buchstäblich in die Hose rutscht? Was passiert, wenn unsere Fähigkeit, klar und logisch zu denken, uns verlässt oder das Blut in unseren Adern gefriert? Shaker stellt fest: „Angst ist auch ein Bestandteil dessen, am Leben zu sein.“ Daher möchte sie mit diesem Buch nicht nur dabei helfen, Ängste zu erkennen, sondern diese eben auch in Stärke zu verwandeln: Nur wer die Signale seines Körpers versteht und richtig deutet, kann diese in etwas Positives wie Resilienz, Mut oder auch Kreativität wandeln.
Dr. Alexandra Shaker: Die Kraft der Angst. Wie wir die Signale unseres Körpers richtig deuten – und unsere Ängste in Stärke verwandeln, Hoffmann und Campe, 320 Seiten, 20,00 €