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Rheuma: Wie ernähre ich mich richtig?

Rheuma: Wie ernähre ich mich richtig?

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Portratitfoto des Artikel-Autors Robert Targan
Von ROBERT TARGAN (Freier Texter, Autor & Redakteur)
5 Min.Lesezeit

Wer an Rheuma erkrankt, hat viele Fragen. Einige drehen sich dabei um die künftige Gestaltung des Alltags, was auch eine gesundheitsfördernde Ernährung miteinschließt. Tatsächlich ist neben der Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten eine entzündungshemmende Nahrungsaufnahme bei rheumatischen Erkrankungen möglich und ratsam – wer ein paar Grundregeln beachtet, muss dabei keinesfalls auf genussvolle Speisen verzichten.  

Hat die Ernährung Einfluss auf den Verlauf rheumatischer Erkrankungen?

Die Ernährung stellt durchaus eine wichtige Maßnahme bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen dar und kann somit die medikamentöse und chirurgische Therapie ergänzen. Eine Reduktion der Entzündungsaktivitäten und Schmerzen ist mitunter durch die Modifizierung der Lebensmittelwahl zu erreichen. Positive Effekte auf den Krankheitsverlauf lassen sich zudem indirekt durch eine Gewichtsreduktion erreichen; dies kommt vor allem bei degenerativen Veränderungen tragender Gelenke zur Geltung. Die Expertinnen und Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) betonen zudem, dass sich eine generelle Veränderung des Lebensstils – hinsichtlich Bewegungsverhalten, Stressabbau und Freizeitgestaltung – positiv auf andere Krankheiten auswirkt, die häufig gleichzeitig vorliegen (beispielsweise Diabetes mellitus, Arteriosklerose oder Fettstoffwechselstörungen). Auch Lebensmittelunverträglichkeiten wie eine Laktose- oder Fructoseintoleranz treten bei Rheumapatientinnen und -patienten häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Tatsächlich existieren Berichte Betroffener, die den Verzehr bestimmter Lebensmittel mit einem Anstieg ihrer Gelenkbeschwerden in Verbindung bringen.   

Wie lauten die Empfehlungen für eine entzündungshemmende Ernährung?

Der Arbeitskreis „Ernährungsmedizin in der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie” und auch die DGE haben haben Empfehlungen für eine entzündungshemmende Ernährung formuliert. So sollte diese in erster Linie an den jeweiligen Lebensstil angepasst sein, alle wichtigen Nährstoffe enthalten und vor allem – schmecken. Einseitige Ernährungstrends und Kostformen gilt es zu meiden; gleiches gilt auch für fettreiche tierische Lebensmittel (Schweineschmalz, Eigelb, fettreiches Fleisch). Fisch wie Makrele, Lachs und Hering darf hingegen gerne zweimal pro Woche auf den Teller kommen – die darin enthaltenen n-3 Fettsäuren befinden sich auch in Raps-, Soja-, Walnuss- und Leinöl. Empfohlen wird zudem der Verzehr von bis zu fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag, enthalten diese doch antioxidative Substanzen wie Vitamin C, Beta-Carotin und Mineralstoffe. Bei Milch und Milchprodukten sollten fettarme Varianten bevorzugt werden; es empfiehlt sich Zurückhaltung bei alkoholischen Getränken. Ergänzend gehört regelmäßige Bewegung auf den Tagesplan: Hier kommen vor allem gelenkschonende Sportarten wie Radfahren und Schwimmen infrage.

Gibt es spezielle Rheuma-Diäten?

Zusätzlich zu den therapeutischen Maßnahmen möchten viele Rheumapatientinnen und -patienten einen eigenen Beitrag zur Eindämmung ihrer Erkrankung leisten, sodass sich die Frage nach speziellen Rheuma-Diäten anbietet. Neben dem Verzicht auf Fleisch und Fisch (Vegetarismus) und dem gänzlichen Verzicht auf tierische Produkte (vegane Ernährung) haben in den vergangenen Jahren auch Ernährungslehren wie die Paläo-Diät (orientiert sich an der vermuteten Ernährung der Altsteinzeit), Vollwert- und Trennkost Einzug erhalten. Dass das Nichteinhalten gewisser Ernährungsvorschriften Ursache für chronische Erkrankungen sein kann, konnte bislang nicht experimentell nachgewiesen werden. Die Deutsche Rheuma-Liga verweist jedoch auf Patientenuntersuchungen, die einen Einfluss von Nahrungsmitteln auf den Rheuma-Verlauf gezeigt haben. Klar ist: Eine Ernährungsumstellung kann die Wirkung von Medikamenten und Operationen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen unterstützen – keinesfalls jedoch ersetzen.

Welche Ernährungsweisen und Nahrungsmittel schaden bei Rheuma?

Weniger das eine Lebensmittel, sondern eher die Ernährungsgewohnheiten in ihrer Gesamtheit können eine Erkrankungswahrscheinlichkeit erhöhen. Hier lohnt bereits der Blick in die früheste Kindheit, da eine Mangelernährung im Säuglingsalter oder auch eine sehr kurze Stillphase das Risiko einer späteren Arthritiserkrankung steigern können. Getränke mit starkem Zuckergehalt wie etwa Softdrinks stehen auf der Rheuma-Risiko-Liste ebenfalls weit oben, wie auch die bereits erwähnten alkoholischen Getränke. Eine zu reichhaltige Überernährung kann zu Übergewicht und Verschleißerscheinungen in den Kniegelenken führen. Die Frage, inwiefern neu Betroffene mittels falscher Ernährung selbst zur Entstehung ihrer rheumatischen Erkrankung beigetragen haben, sei laut Deutscher Rheuma-Liga jedoch müßig: „Die genannten Zusammenhänge lassen für den einzelnen Patienten eine derartige Schlussfolgerung nicht zu – Schuldgefühle sind daher fehl am Platz.”

Worauf ist beim Einkaufen und in der Küche zu achten?

In vielen Alltagssituationen hilft es Rheumaerkrankten, wenn sie ihrem eigenen Rhythmus, der notwendige Pausen erlaubt, folgen. Das ist beim regelmäßigen Lebensmitteleinkauf nicht anders. Schon kleine Tipps und Hilfestellungen können dabei für Entlastung sorgen: Das möglichst nahe Parken am Supermarkt kürzt den Weg vom Auto zum Geschäft ab und erleichtert anschließend auch das Verladen der Waren. Auch bei kleineren Besorgungen immer den Einkaufswagen einem Korb vorziehen, um unnötiges Tragen zu vermeiden. Wer zuvor einen Einkaufszettel anfertigt, kann gezielt die gewünschten Produkte ansteuern und vermeidet so unnötiges Stehen oder zielloses Laufen durch die Gänge. Niemand muss sich zudem scheuen, andere Kunden oder das Personal um Hilfe zu bitten, sollten sich bestimmte Waren zu weit oben oder unten im Regal befinden. Statt einem großen Wocheneinkauf bieten sich zudem – wenn möglich – mehrfache kleinere Einkäufe an. In der heimischen Küche sollte die Arbeitsplatte eine angemessene Höhe besitzen; Schränke mit Ausziehschubladen und ein Backofen mit Ausziehwagen stellen ebenfalls eine große Hilfe dar.

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