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Es braucht umfassende Nachhaltigkeitsstrategien

Es braucht umfassende Nachhaltigkeitsstrategien

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Portratitfoto des Artikel-Autors Robert Targan
Von ROBERT TARGAN (Freier Texter, Autor & Redakteur)
5 Min.Lesezeit

Der ökologische Fußabdruck des Gesundheitssektors ist groß – zu groß. Für eine zügige und effiziente Reduzierung der CO2-Emissionen braucht es strikte Maßnahmen sowie eine Sensibilisierung aller Akteure für die Klimaproblematik. „Bis 2030 sollte jede deutsche Klinik eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt haben”, mahnen Experten. Dies gilt auch für die Gesundheitssysteme anderer Länder.

Hitze, Unwetter, Hochwasser und Erdrutsche – Extremwetterereignisse treten in den letzten Jahrzehnten immer häufiger auf. Neben den unmittelbaren Gefahren für Leib und Leben begünstigen diese zusehends auch psychische Belastungen, wie etwa Angstzustände und Depressionen. Und auch der menschliche Organismus leidet, mehren sich in langen Hitzeperioden doch Krankheitsfälle durch Dehydrierung, Hitzschlag sowie Herz- und Kreislauferkrankungen. Wie es um das Klima steht, unterstreichen folgende Fakten: Schwankte die mittlere Erdtemperatur in den vergangenen 10.000 Jahren nie um mehr als 2 Grad C, stieg die globale Durchschnittstemperatur seit 1850 um 1,2 Grad C – Tendenz steigend. Die Zielsetzung des Pariser Abkommens aus dem Jahr 2015, die Erderwärmung auf 1,5 Grad C zu begrenzen, sehen Experten in Gefahr. Steigen die CO2-Emissionen weiter, wird die Erwärmung eher mehr als 3 Grad C, bis zum Jahr 2100 gar 4-5 Grad C betragen. Um dies zu verhindern, müsste der weltweite CO2-Ausstoß bis 2030 um fast die Hälfte (45 Prozent) reduziert werden. Und bis 2050 bei Null stehen.

Klimaschutz auf die Fahne schreiben

Um ein solches Ziel zu erreichen, benötigt es einen enormen (weltweiten) Kraftakt. Oder, wie es der Weltklimarat auf den Punkt bringt: „Die globale Erwärmung auf 1,5 Grad C zu begrenzen, erfordert rasche, weitreichende und beispiellose Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft.” Einer dieser Bereiche ist der Gesundheitssektor, der für rund 4,4 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist und damit mehr Treibhausgase ausstößt als der Flugverkehr oder die Schifffahrt. Darauf macht auch der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) aufmerksam. Der Vorsitzende Olaf Bandt mahnt: „Krankenhäuser sind ernstzunehmende Wirtschaftsbetriebe. Auch das Gesundheitswesen sollte sich Klimaschutz auf die Fahne schreiben.” Beim Blick in die unmittelbare Zukunft hält er fest: „Bis 2030 sollte jede deutsche Klinik eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt haben und zuvor eine Klimamanagerin oder einen Klimamanager fest einstellen. Klimaschutz muss standardmäßig Inhalt von Ausbildungen im Gesundheitswesen werden. Solche Stellen können dann beispielsweise dafür sorgen, dass die enorme Kaufkraft von Krankenhäusern der regionalen und nachhaltigen Wirtschaft zugutekommt." Tatsächlich, so ist vom BUND zu erfahren, haben hierzulande rund 250 Krankenhäuser und Reha-Kliniken bereits entsprechende Klimaschutzmaßnahmen in ihre Arbeitsabläufe integriert, indem sie etwa auf Ökostrom umgestellt haben, den Radverkehr durch Fahrradparkplätze und Mobilitätswettbewerbe fördern, auf dem Speiseplan das Fleisch reduzieren oder die Mülltrennung optimieren. Neben diesen Schritten, die nicht nur im Gesundheitssektor greifen, sind krankenhausspezifische Maßnahmen wie Narkosegasrecycling oder der Einsatz von Mehrweg-OP-Besteck zu nennen.

Handlungsbedarf auch beim britischen Gesundheitssystem

Bei der Formulierung von Klimaschutzzielen fällt aktuell auch der Blick nach Großbritannien. Das dortige National Health System (NHS) hat im vergangenen Jahr angekündigt, „dem medizinischen Notstand des Klimawandels” effizient entgegenzutreten. Und die Zeit fürs Handeln ist tatsächlich reif, gehen doch bis zu 5 Prozent aller schädlichen Emissionen des Königreichs vom Gesundheitssektor aus. Immerhin: Das NHS ist weltweit das einzige Gesundheitssystem, das regelmäßig Angaben zum eigenen CO2-Fußabdruck macht. Um bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu werden, sind konkret drei Schritte geplant. So soll etwa eine Expertenkommission dem NHS Wege zu einem Netto-Null-Emissionsziel aufzeigen, was auch dem nationalen Reduktionsziel – Klimaneutralität bis 2050 – zugute kommt. Weiter ist vorgesehen, im Rahmen eines Mustervertrags die britischen Krankenhäuser zur CO2-Reduzierung von Gebäuden aufzufordern; auch sollen klimaschädliche Narkosegase und Asthma-Inhalatoren durch klimafreundliche Varianten ersetzt werden. An dritter Steller der Maßnahmen steht die Kampagne „For a Greener NHS” zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks. Dabei erhält das NHS Unterstützung durch ein Bündnis, das über 650.000 Beschäftigte des Gesundheitswesens vereint, darunter auch der nationale Ärzteverband.

Und wie sieht das in der Umsetzung aus? Bereits 2022 sollen in Großbritannien die ersten emissionsfreien Krankenwagen Patienten befördern; die Planung und Umsetzung von Klinikneubauten erfolgt zudem unter Einhaltung strenger Umweltschutzaspekte. Optimierte Recycling-Systeme, effizientere Gebäudeisolierungen und nachhaltigere Ausstattungen der Primärarztpraxen sind ebenfalls geplant – das Vermeiden unnötiger Praxisbesuche stellt eine weitere Stellschraube dar.

Auch in Deutschland könnte eine Bestandsaufnahme des ökologischen Fußabdrucks richtungsweisend sein, um das Bewusstsein für den Klimaschutz bei allen Akteuren zu schärfen. Die Vergabe des BUND-Gütesiegels „Energie sparendes Krankenhaus“ stellt hier einen wichtigen Schritt dar: Die Auszeichnung rückt bundesweit Krankenhäuser und Reha-Kliniken in den Fokus, die besondere Leistungen beim Klimaschutz an den Tag legen – etwa durch Investitionen in energieeffiziente Technik, Gebäudedämmung oder die generelle Motivation zu einem klimafreundlichen Nutzerverhalten. Weitere Initiativen und eine umfassende Wissensvermittlung müssen nun folgen.

bund.net  |  nhs.uk

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Ausgabe: 03/2021

Titelthema – Klimaneutralität